Millionen Todesopfer, Heimatlose und Traumatisierte, verlorene haltlose Generationen als leichte Beute politisch Radikaler aller Richtungen - Gewaltherrschaften und Kriege bedrängen die Menschen seit Anbeginn. Der vielen sinnlosen Opfer zu gedenken ist unser Anliegen.

Eine Übersicht

Gefallene 1. WK 1914 – 1918

Der 1. Weltkrieg nimmt bereits nach wenigen Monaten Dimensionen an, mit denen die Deutschen im Siegestaumel der ersten Kriegswochen nicht gerechnet hatten. Die steigende Zahl der Opfer auf den Schlachtfeldern wird durch die Todesanzeigen der örtlichen Tageszeitungen widerspiegelt. Der Ribnitzer Stadt- und Landbote ist ein Beispiel dafür.

 „In immer mehr Familien „wurde …  die traurige Gewissheit“, dass einer ihrer Lieben „auf dem Feld der Ehre … in treuer Pflichterfüllung“ oder „an der Spitze seiner Kompanie … für das liebe Vaterland gefallen“ ist.

Laut Todesanzeige empfinden die meisten Angehörigen den Verlust als einen „Heldentod fürs Vaterland“. Ein einziges Mal heißt es sogar „in treuer Pflichterfüllung für Kaiser und Reich“. Auch die Formulierung „er wurde ein Opfer dieses grausamen Weltkrieges“ verwendet nur ein geringer Teil der Familien. Ob es sich bei den unterschiedlichen Formulierungen um Zeichen politischer Einstellungen handelt, lässt sich nur vermuten. Die Todesanzeigen geben auch preis, was die Hinterbliebenen oftmals nur aus Wissenschaft eines Kameraden oder Seelsorgers erfahren können und was kein Sterberegister verrät. In der Art und Weise, wie die Gefallenen gestorben sind, wird das ganze Grauen der Kriegsführung deutlich: ein junger Mann stirbt „an den in seinem ersten Gefecht erlittenen Wunden“, ein anderer an seinem 21. Geburtstag „an einer schweren Krankheit, die er sich beim Militär zugezogen hat“ und ein dritter ist „im blühenden Alter von 19 Jahren dem grausigen Weltkriege zum Opfer gefallen“. In den Gräben der Westfront fallen sie „durch schweren Brustschuß“, „Granatsplitter in die Brust“ „durch Kopf- und Brustschuß“, durch eine „Granate bei Verdun“ oder „durch Artilleriegeschoß“. Marinesoldaten sterben „bei einem Seegefecht“ oder “beim Untergang der S.M.S. ‚Prinz Adalbert’“. Manchmal hält auch der Körper die massive Dauerbelastung nicht mehr aus und jemand wird “auf der Urlaubsreise vom Herzschlage betroffen“ oder stirbt „infolge Erschöpfung“. Ebenso fordern Krankheiten wie Typhus, Lungenentzündung und Grippe ihre Opfer.

Mindestens 165 Ribnitzer und 60 Damgartener finden auf den Schlachtfeldern des 1.Weltkriges den Tod. Nur sehr wenigen Familien gelingt eine Überführung des Gefallenen in die Heimat, meist nur, wenn dieser in einem Lazarett auf deutschem Boden verstorben ist oder er einen Offiziersrang besaß. Viele hoffen sicher auf eine spätere Umbettung, stellt doch der SLB im Oktober 1915 für die „Heimbeförderung von Leichen gefallener … Kriegsteilnehmer … erst nach dem Kriege … eine Frachtermäßigung von 50% …“ in Aussicht.“

Vgl. Passgänge 2014 „Der Stadt- und Landbote-Spiegelbild der Kriegsjahre 1915 bis 1918“, Jana Behnke

Gefallene in Anzeigen

Gefallene 2. WK 1939 – 1945

Kaum 20 Jahre nach Ende des ersten verheerenden Krieges wird wieder auf den Schlachtfeldern gestorben, diesmal in „treuer soldatischer Pflichterfüllung“ für „Führer, Volk und Vaterland“. Wieder verlieren Mütter den einzigen Sohn, Kinder den Vater, junge Frauen den Mann. Und wieder teilen die Angehörigen nicht nur ihren Schmerz mit der Öffentlichkeit, sondern die meisten auch ihren fatalen Stolz auf ebenjene angeblich ehrenhafte Pflichterfüllung und den sogenannten Heldentod.

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Verfolgt, vertrieben und ermordet - Ribnitzer Juden in der Zeit des Nationalsozialismus

Während sich infolge der Ansiedlung der Bachmann-Flugzeugwerke Mitte der 1930er Jahre viele Ribnitzer einen bescheidenen Wohlstand erarbeiten konnten, wurde den jüdischen Einwohnern das Leben immer mehr erschwert und schließlich unmöglich gemacht. Ihre Verfolgung, Vertreibung und Vernichtung  in der Zeit des so genannten Dritten Reiches gehört zu den dunkelsten Kapiteln der Ribnitzer Geschichte. 

1933, im Jahr des Machtantritts der Nazis, sollen in Ribnitz noch 16 Einwohner mosaischen Glaubens gelebt haben. Einige verließen nach 1933 Deutschland. Dazu gehörte Kalman Glück, der nach Warschau ging. Der Kaufmann Erich Samuel wanderte mit seiner Frau Anita und Tochter Ruth nach Palästina aus. 1942 lebten nur  noch vier jüdische Einwohner in Ribnitz. Das waren Emmy Lichenheim, Paula Moses, Jenny Salomon und Annemarie Thron.  Annemarie Thron war mit dem Arzt Dr. Ludwig Thron verheiratet. Er war Nachfolger seines 1934 verstorbenen Schwiegervaters Dr. Bruno Joseph. Besonders gegen ihn richtete sich der Hass führender Nazigrößen der Stadt. Das mag damit zusammen hängen, dass Dr. Joseph besonders beliebt bei den Ribnitzern war, da er nicht nur als Arzt einen hervorragenden Ruf hatte, sondern auch als Abgeordneter sehr viel für die Allgemeinheit getan hatte. Auch etliche NSDAP-Mitglieder schätzten ihn sehr. So ist belegt, dass 14 Tage nach seinem Tode am 10. Juli 1934 Parteimitglieder den Angehörigen des Verstorbenen ihr Beileid zum Ausdruck gebracht hatten. Ortsgruppenleiter Koeppe reagierte darauf mit besonders abgeschmackten Bemerkungen und tönte, dass diesen Mitgliedern das Parteiabzeichen abgenommen werden müsste. „Dies hat damals“, so ein Augenzeuge, der seit 1930 der NSDAP angehörte, „in der Bevölkerung eine allgemeine Empörung ausgelöst, weil alle auf Joseph...ein sehr grosses Stück gegeben haben.“

Hauptinstrument des Terrors gegen jüdische Mitbürger war auch in Ribnitz die SA. Ein Beispiel für Aktivitäten der SA war der Boykott am 1. April 1933. Mit dieser von der NSDAP  in ganz Deutschland organisierten Aktion begann die offizielle Diskriminierung jüdischer Bürger.  Er richtete sich gegen jüdische Geschäftsinhaber, Ärzte, Rechtsanwälte und Einrichtungen.  Wie in vielen anderen Städten,   inszenierten die Ribnitzer Nazis am 1. April 1933 einen Marsch durch die Stadt. Hasserfüllt verkündet die NSDAP-Ortsgruppe Ribnitz : „Durch die Juden sind der Arbeiter, der Bauer, der Handwerker, Gewerbetreibende und das gesamte schaffende Volk ausgenutzt, ihre Existenzen vernichtet, ihre Familie dem Hunger ausgesetzt; Kultur und deutsche Weltanschauung untergraben und vergiftet. Schluß mit dieser Vorherrschaft der Juden in Deutschland.“    Bei den Soldaten des Fliegerhorstes Pütnitz und deren Angehörigen beließ man es nicht bei Boykottaufrufen: Ihnen wurde verboten, in jüdischen Geschäften einzukaufen. Aus diesem Grunde wandte sich der Seefliegerhorstkommandeur am 16. März 1936 mit einem Schreiben an den Bürgermeister von Ribnitz mit der Bitte, ihm ein Verzeichnis jüdischer Geschäfte zuzusenden. Dr. Wegner teilte ihm mit, dass es nur noch ein jüdisches Geschäft gebe, und zwar das Wäschegeschäft der Witwe Salomon in der Nizzestraße. Im Mai 1939 wurde es geschlossen.

In immer mehr Geschäften der Stadt tauchten Schilder mit der Aufschrift „Juden nicht erwünscht“ auf.  Das Attentat eines Juden auf den deutschen Gesandtschaftsrat vom Rath in Paris im November 1938  war Anlass für ein reichsweites Pogrom. Unter der Überschrift „Erbitterung gegen die Juden“  war in  einem Artikel des Stadt- und Landboten vom 11. November 1938 zu lesen: „Der baufällige Tempel der ehemaligen jüdischen Gemeinde in der Büttelstraße war ein Objekt, um der Empörung der Bevölkerung Luft zu machen. Er sollte in Flammen aufgehen. Da aber nichts Brennbares in dem Bauwerk vorhanden war, reagierte der Tempel nicht auf diese Angriff. Die Feuerlöschpolizei war auch sofort zur Stelle und beseitigte die Gefahr, zumal der Tempel mitten in der Straßenzeile liegt. Des weiteren mussten noch die Fensterscheiben bei einem jüdischen Geschäft daran glauben.“ In der Folgezeit wurde die staatliche Diskriminierung der Juden weiter verschärft. Auch in Ribnitz wurden den jüdischen Einwohnern 1938  die Personalausweise  abgenommen. Fortan hatten sie  Kennkarten bei sich zu tragen. Zudem wurden  Juden gezwungen, den zusätzlichen Vornamen „Sara“ bzw. „Israel“ anzunehmen. Juden war es seit 1938 unter anderem verboten, kulturelle Veranstaltungen, Kinos und Sportstätten zu besuchen. Bereits 1937 wurde ihnen der Aufenthalt in Bädern und Kurorten verboten,  1938 war ihnen auch der Besuch von Strandbädern nicht mehr gestattet.  

Jüdische Einwohner wurden schließlich auch Schritt für Schritt enteignet. Durch entsprechende Gesetze und Verordnungen wurden sie gezwungen, ihre Unternehmen, Geschäfte sowie Haus- und Grundbesitz unter Wert zu verkaufen. Jüdischer Immobilienbesitz wurde „arisiert“, wie es im Nazi-Jargon hieß. Die Verkaufserlöse wurden auf Sperrkonten überwiesen und dann vom Staat konfisziert.   In Ribnitz lässt  sich  die „Arisierung“ jüdischen Haus- und Grundbesitzes für die Friedrich-Hildebrandt-Straße 80 (heute Lange Straße) nachweisen. Eigentümerin war Emmy Lichenheim. Als Interessent trat zunächst der Kaufmann Max Grünewald auf. Er war bis zur Inflation als kleiner Schneider in Ribnitz tätig, stieg dann aber zum mehrfachen Haus- und Kaufhausbesitzer auf. Er soll mehrere jüdische Warenlager aufgekauft  und einen großen Teil der Waren in Ribnitz veräußert haben. Da die Gauleitung in ihm eine zu große Konkurrenz für den gewerblichen Mittelstand in Ribnitz erblickte, verweigerte Gauleiter Hildebrandt die Zustimmung zur Genehmigung des bereits fertigen Kaufvertrages. Haus und Grundstück erwarb dann der Großkaufmann Gustav Ramelow aus Berlin-Grunewald. Das Hausgrundstück von Paula Moses in der Neuhöfer Straße erwarb ein Kaufmann aus Tessin. Auch für die jüdischen Grundstücke in Ribnitz, die noch nicht „arisiert“ worden waren, fand sich ein Interessent, nämlich der Staat. So teilte das Mecklenburgische Staatsministerium dem Ribnitzer Bürgermeister mit: „Das Vermögen der Jüdin Jenny Sara Salomon, zuletzt wohnhaft in Ribnitz, Nizzestraße 22, ist zugunsten des Deutschen Reiches eingezogen worden. Zu diesem Vermögen gehört das Hausgrundstück in Ribnitz, Nizzestraße 22.“  Zu diesem Zeitpunkt befand sich Frau Salomon im KZ Theresienstadt. Nachdem bereits Frau Moses im Juli 1942 durch einen Hauptwachtmeister der Schutzpolizei Ribnitz nach Rostock gebracht und einem Transportführer der Geheimen Staatspolizei übergeben worden war, wurden Frau Salomon  und Frau Lichenheim im November 1942 auf Transport geschickt. In einem Schreiben der Gestapo Schwerin an die Polizei Ribnitz vom 7. November 1942 wird zynisch von einer „Wohnsitzverlagerung nach Theresienstadt“ gesprochen.

Unter dem 12. November 1942 vermeldet die Polizeidienststelle Ribnitz den Vollzug: „Die im Schreiben benannten  Jüdinnen  sind am 11.11.1942 durch den Unterzeichneten mit dem ersten Zuge 4.43 Uhr nach Rostock transportiert. Hier sind diese alsdann einem Beamten der Staatspolizeistelle Schwerin zu übergeben.“  Der zuständige Ribnitzer Hauptwachtmeister vergaß auch nicht dienstbeflissen zu erwähnen, dass man, nachdem die beiden Frauen ihre Wohnungen verlassen hatten, die Zimmer auf Licht und die Küche auf Gas noch einmal überprüft habe und sich dabei Beanstandungen nicht ergeben hätten. Und während die Frauen ihrem Tod entgegen fuhren, machte man sich in Ribnitz Sorgen um einige Zentner Kartoffeln, Kohlen, Gemüse sowie Äpfel und Birnen, die in den Kellern der verlassenen Wohnungen lagerten.2 Über das weitere Schicksal von Emmy Lichenheim und Jenny Salomon war lange Zeit nichts bekannt, bis der Museumsverein Deutsches Bernsteinmuseum 2004 an das Bundesarchiv Berlin eine Anfrage richtete. Nach entsprechenden Recherchen dieser Behörde konnten im Theresienstädter Gedenkbuch Angaben gefunden werden, die Auskunft über ihre Schicksale geben.  Danach wurde Emmy Lichenheim am 20. November 1942 von Berlin nach Theresienstadt deportiert. Dort verstarb sie am 8. Mai 1944. Jenny Salomon wurde am 14. Januar 1943 von Berlin nach Theresienstadt verschleppt. Ihr Leidensweg endete am 3. April 1944. Paula Moses starb in Auschwitz. Als einzige Ribnitzer Jüdin überlebte Annemarie Thron die Zeit des Faschismus. Mehrere von Eleonore Rösel befragte ältere Ribnitzer gaben an, dass sie nur deshalb diese Zeit überstand, weil Dr. Thron als Militärarzt im Ersten Weltkrieg Hitler im Lazarett behandelt haben soll.  Nach dem Beginn der Judenverfolgung habe sich Thron  persönlich an Hitler gewandt. „So lebte Frau Thron unter einem gewissen Schutz.“  Allerdings war sie in Ribnitz immer wieder Anfeindungen ausgesetzt. So wurde bei jedem Aufmarsch der Nazis vor ihrem Haus „Juda verrecke!“ geschrieen. Sicherer als in Ribnitz konnte sie sich nur in Ahrenshoop fühlen. Trotz des Schildes am Dorfeingang, das Juden das Betreten des Dorfes verwehrte, konnten sie und ihr Mann ungehindert und jederzeit das 1937 erworbene Haus am Schifferberg 3 aufsuchen.  

Edwin Sternkiker

 

Für den Beitrag wurden folgende Literatur und folgende Quellen verwendet:

Rösel, Eleonore, Jüdisches Leben in Ribnitz und Umgebung, in: Kleine Schriftenreihe Regionalgeschichte, H. 3, Kückenshagen 1996.

Behnke, Jana, Die Stadt Ribnitz,

Stadtarchiv (StA) Ribnitz-Damgarten, II, Nr. 103, Schreiben der Geheimen Staatspolizei an das Mecklenburgische Staatsministerium, Abteilung geistliche Angelegenheiten, vom 17. Februar 1942.

Landeshauptarchiv Schwerin (LHAS), 5.12-3/1, Nr. 7112, Zeugenaussage des Ackerbürgers Heinrich K.

Stadt- und Landbote vom 1.4.1933.

StA Ribnitz-Damgarten, II, 142, Schreiben  Dr. Wegner an die Seefliegerhorstkommandantur vom 21. Dezember 1936

LHAS, 5.12-3/1, Nr.13764/58, Schreiben von Gauleiter Hildebrandt an das Mecklenburgische Staatsministerium Abteilung Inneres, Schwerin vom 12. Juli 1939.

Ebenda, Schreiben von Rechtsanwalt Paul Spiegelberg an das Mecklenburgische Staatsministerium, Abteilung Inneres vom 15. August 1939.

LHAS,  Nr. 13764/59, Schreiben des Mecklenburgischen Staatsministeriums, Abteilung Inneres, an den Gauleiter der NSDAP für den Gau Mecklenburg vom 15. März 1939.

StA Ribnitz-Damgarten, II, Nr. 103, Schreiben des Mecklenburgischen Staatsministeriums, Abteilung des Innern, an den Bürgermeister der Stadt Ribnitz vom 22. Februar 1943.  

 

Dokumente zur Judenverfolgung

„Euthanasie“ – Mord an den Schwächsten

Die unter dem Begriff „Euthanasie“ begangenen Verbrechen an psychisch kranken und behinderten Menschen fanden ihren Höhepunkt im systematischen und zentral organisierten Massenmord an diesen Menschen. Ihm fielen zwischen 1939 und 1945 ca. 300.000 Frauen, Männer und Kinder zum Opfer. Ihr Tod war, wie das Wort Euthanasie suggeriert, keineswegs ein leichter oder guter. Im Gegenteil: sie wurden erschossen, vergast, mit Tabletten oder Injektionen getötet oder mussten verhungern.
Im Zuge der nationalsozialistischen Gesundheits- und Rassenpolitik wurde ab 1934 mit Zwangssterilisationen begonnen. Diese Maßnahme traf vor allem psychisch und körperlich Kranke, Alkoholiker aber auch Frauen und Männer mit einem sogenannten asozialen Lebenswandel. Einer solchen Zwangsmaßnahme mussten sich auch etliche Ribnitzer unterziehen, wobei es nicht selten Widerstände gab. Deutschlandweit wurden mehr als 400.000 Menschen sterilisiert.
Ab 1939 wurden langjährige Insassen von Irrenanstalten erfasst und auf den Pflege- und Überwachungsaufwand sowie ihre Verwendbarkeit im Arbeitsprozess hin untersucht. Wer nicht arbeiten konnte, wurde ausgesondert und schließlich getötet. In der Regel wurden Transporte zusammengestellt, die die Selektierten in eine der sechs zentralen Tötungsanstalten brachten, wo sie meist noch am selben Tag mittels Kohlenmonoxid getötet wurden.
Auch weil diese Maßnahme in der Öffentlichkeit für Unmut sorgte, wurde sie Mitte 1941 eingestellt.
Nichts desto trotz wurde in den Anstalten und Krankenhäusern systematisch weiter gemordet.
Den Kranken- und Behindertenmorden fielen auch mehrere tausend Kinder zum Opfer. Ärzte und Hebammen hatten Kinder mit angeborenen Missbildungen und Krankheiten zu melden, welche dann mitunter sogar zwangsweise aus den Familien geholt, in eine Anstalt eingewiesen und dort getötet wurden. (vgl. Die Heil- und Pflegeanstalt Sachsenberg-Lewenberg 1939-1945, Kathleen Haack, Bernd Kasten, Jörg Pink, Schwerin 2016)
Opfer der „Euthanasie“ finden sich auch in Ribnitz und Damgarten. Ihre Schicksale sind bislang wenig erforscht.
Im Sommer 2016 wurde in der Damgartener Chaussee auf Initiative der Familie Oldenburg ein Stolperstein für die geistig Behinderte Magda Oldenburg gelegt, die als Jugendliche in der Tötungsanstalt Bernburg ermordet wurde.

Weitere Opfergruppen

Die hier bereits genannten Opfergruppen erheben keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit. Im Gegenteil soll Gedenken als ein Prozess der Annäherung an die vielen weiteren Opfer verstanden sein.

Geforscht wurde und wird u.a. auch zu den Themen:

  • politisch Verfolgte
  • wegen sexueller Ausrichtung Verfolgte
  • sog. "Asoziale"
  • sog. "Zigeuner"
  • Maueropfer

Die Forschungsergebnisse werden hier ihren Platz finden.

Außerdem ist geplant, die Beschäftigung mit den Auswirkungen von Krieg und Gewalt auf das Leben der Menschen in unserer Stadt auch auf vergangene Jahrhunderte auszudehnen.